über Dilemmama

Ein Dilemma ist als verzwickte Situation definiert, da Elternschaft – in unseren Breitengraden vor allem die Mutterschaft – stets ein Abwägen verschiedener Möglichkeiten beinhaltet, die wiederum mit strafenden oder lobenden Konsequenzen verbunden sind (ganz ungefiltert vom Baby und oft ebenso ungefiltert von der Gesellschaft, die da draußen so rumläuft und es meistens besser weiß), soll es in diesem Blog vor allem um das Aushalten dieser Dilemmata und das eigene Durchwursteln gehen.

Die private Dilemmama ist auch öffentlich
Die private Dilemmama dreht sich um das ganz grundlegende Kennenlernen des Babys und das Abwägen zwischen verschiedenen Dogmen, die sich bekriegen und noch am ehesten als Natur/Kultur-Konflikt durchgehen. Natur: Nur die Mutterbrust ist das einzig Wahre. Kultur: Wir leben in der Moderne mit ganz ausgezeichneter Prenahrung, die es auch dem Papa oder der Partner_in ermöglicht das Baby gleichberechtig zu nähren. Oder Natur: Wir gebären natürlich und ohne Schmerzen (Richtig, auch ich habe einen Hypno-Birthing-Kurs als Vorbereitung gemacht). Kultur: Wir leben im 21. Jahrhunder und Frauen müssen keine Schmerzen mehr aushalten (geplante Kaiserschnitte als Beispiel).

Und ganz banale alltägliche Dilemmata: Schreit das Baby, weil ein Pups durch muss, machen wir also den Fliegergriff? Hat es Hunger? Brust oder Flasche? Ist es erschöpft? Will es getragen werden oder möchte es die Welt erkunden. Papa oder Mama? Spielen oder schlafen?

Die öffentliche Dilemmama
Seit ich schwanger war und noch mehr seitdem ich die Einling mit in die Welt nehme, bin ich zu einem öffentlichen Ort mit Baby geworden. Gerne wird frau ungefragt auf der Strasse angesehen, angesprochen, z.B. ob das Baby nicht kaputt gehe, weil es in dem Tragetuch so eng sei. Gerne wissen alle etwas besser, schneller und lauter. Das Wissen um die Mutterschaft ist m.E. immer ideologisch und frau kann es immer nur falsch machen (übrigens Papa auch, aber anders). Natürlich ist das Mutter-Mama-werden auch phänomenal und berauschend. Auch darum wird es hier gehen. Die Dilemmama bezieht sich auch darauf, dass das „Richtige“ nicht davon abhängig ist, das „Richtige“ zutun. Die Dilemmama steht auch dafür, dass es gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen braucht, die verschiedenen Dilemmata aufzulösen und dass Mama oder Papa/Partner_in nicht alles alleine schaffen kann. Mit politischen Rahmenbedingungen meine ich, infrastrukturelle Wahlmöglichkeiten für Mütter und Väter zu schaffen, Krippenplätze mit pädagogisch geschulten Personal sind hier nur ein Beispiel, Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur zu postulieren, sondern zu schaffen, ein weiteres. Mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen meine ich auch, die tief verwurzelten Meinungen, dass nur Frauen als Bezugsperson für einen Säugling in Frage kommen, aufzubrechen und Familie nicht mehr nur als Kleinfamilie zu denken und Mutter nicht mehr nur als biologistische Kategorie des „Frau-Seins“.

Kinderwunsch und kritisches Beäugen
Ich bin und war eine Kinderwünschlerin. Auch dass ist ein Dilemma. Viele Jahre mussten wir auf das Glück und den schulmedizinischen Support warten. Wir haben das Glück, dass es geklappt hat und ich möchte mir keinen Tag mehr ohne die Wumpa vorstellen. Das Dilemma hier ist, dass ich weiß, das ganz viele dieses Glück nicht haben und es vermutlich schwer aushaltbar finden, dass frau ein Kind bekommt und dennoch Sachen kritisch beäugt. Aber das kritische Beäugen mindert nicht die unendlichen Liebe zur Mini-Madame und die Demut sie bekommen zu dürfen. Kritisches Beäugen ist einfach ein Teil von mir, den ich hier ausbreiten will. Meine Geschichte und die der anderen sind deswegen nicht vergessen.

Woher und wohin
Irgendwann vor vielen Jahren habe ich mal Politikwissenschaften studiert, war eine knappe Zeit Lehrbeauftragte für Soziologie und Gender-Studies und irgendwo muss das jetzt ja hin. Vielleicht ja in diesen Blog?