La Li Lu…oder Mädchen haben viel zu tun

…nur die Frau und auch die Frauen im Mond schauen dem Baby beim Einschlafen zu. Tatsächlich hat sich das Baby eben aus dem Kinderwagen (tief schlafend, was auch erst seit zwei Monaten etwa geht), in die Manduka (immer schon gut) ins Kinderbeistellbettchen bringen lassen, ohne aufzuwachen. Phänomenal! Neu! Und jetzt zu den wirklich wichtigen Dingen, den Frauen im Mond. Ich dichte um. Nicht alles, nicht viel, aber manches. Lieder und Bücher. Zumindest habe ich es mir vorgenommen, in den Charts läuft bei uns nur La Li lu und das eigentlich auf Dauerschleife. Abends zum Einschlafen und Nachts zum beruhigen (was gerne weniger sein dürfte). Was macht die denn da? Fragen sich einige und man (!) sollte nicht meinen, wieviele Menschen sich davon angestoßen fühlen, dass ich eine fiktive Person (Mann im Mond) einfach umgegendert habe. Passiert ja auch bei einigen Kino-Titeln, so etwa, als ich einer Freundin vorschlug in Ghostbusters zu gehen und ihr Mann nur meine, wie könne man so einen Klassikern mit Frauen besetzen. Dass das schlicht und einfach frauenverachtend ist, finden viele zu hart. Ist aber so, denn, wenn wir mal drüber nachdenken, heißt das einfach, dass Frauen nicht soviel können (sollen?) wie Männer. Wen interessiert es, ob der Mensch im Mond ein Gießkännchen hat, wie es die Omimi sagen würde? Eben. Was unsere Kinder lesen, hören, sehen,  geschunkelt, gesagt bekommen, entscheidet ganz grundlegend darüber, wie sie später denken werden und vor allem, was sie sich zutrauen, wünschen etc. Da wir ganz viel davon nicht in der Hand haben, ich sage mal Diskurse, Gesellschaft, Politik, Machtverhältnisse im Großen und Ganzen oder  einfach: Omas, Opas, Tanten, Verwandte, Erzieher_innen, Lehrer_innen, Spielzeug-, Lebensmittelindustrie etc. möchte ich wenigstens dem Unbewußten meiner Tochter einen winzigen Moment mitgeben, der sagt: eine Frau im Mond ist möglich! 

My Body is a what?

Mein Körper war vor und während der Schwangerschaft ein durchgeyogter, gut erzogener Gesell. Ich konnte von Kopf bis Fuß Entspannung ein- und ausatmen und mich jederzeit durchbaummeln lassen. Je später die Schwangerschaft desto träger, müder und eigensinniger wurde dieses Gestell. Doch erst lange nach der Schwangerschaft macht sich ein völlig neues Körpergefühl bemerkbar. Keines. Ich bin mal stärker, mal schwächer. Für eine überzeugende Eigen-Körper-Recherche ist keine Zeit. Ein 8-Kilo Baby um den Bauch geschnallt, volle Einkauftstaschen in beiden Händen, ab damit in den vierten Stock; das läuft, weil es laufen muss. Der neue Körper bekommt in Sekunden Schweißausbrüche, wenn das Baby zu sehr schreit und muss ansonsten still halten. Fürs yogische Hineinhorchen ist keine Zeit. Vom Optimierungsprogramm Körper bleibt nur die Funktion übrig. Der Körper muss und soll möglichst gut funktionieren. Mit wenig bis gar keinen Schlaf, mit wenig bis sehr viel Essen, mit wenig bis keiner Erholung, vor allem mit viel Koffeein. Bei Kopfschmerzen gibt es Tabletten und die wirken auch. Zurück bleibt eine Erschöpfung, die beim tiefen Ein- und Ausatmen unter den Rippen schmerzt. Da wo früher Raum war, ist jetzt Verspannung. Alles in allem, dennoch ein wundersamer Zustand, den ich um nichts tauschen möchte. Schließlich ist es auch dieser Körper, der vom Baby gezwickt und mit offenen Mund abgespeichelt wird. Wo an den Haaren gezogen wird und plötzlich riesige Augen vor meinem Gesicht auftauchen und ein großer zahnlos lachender Mund, ein Knie in meinem weichen Bauch eingedrückt wird und sich meine Nase in einer kleinen Faust wiederfindet, die mal wieder überprüft ob die Mama da ist und wirklich 3D. Herrlich! 

Plazentaschranke und Herbert

Hier schnell die Quer-gehört-gelesen Tipps von meinem Wochenende. Der Schatten des Zikavirus – gehört auf Deutschlandradio und nicht für Schwangere geeignet. Unregelmäßig höre ich den Podcast von Frau Mierau, jetzt für uns aktuell die Sendung zum Thema „Die Sache mit dem Eingewöhnen, über Krippen, Kindergärten und Schulen.“ Mich hat es schon im Vorhinein beruhigt, auch wenn unsere Eingewöhnung noch bis Dezember hin ist.

Quergelesen habe ich außerdem das an vielen Stellen schon hochgelobte Buch von Madam Mireau: Geborgen Wachsen, was mir endlich mein schlechtes Gewissen genommen hat, diverse EBooks auf dem Kindle zu lesen, während das Baby trinkt, einschläft oder geschmust werden will. Schön vor allem die undogmatische Herangehensweise, die Eltern in ihrer Vielheit akzeptiert und offen für individuelle Wege bleibt. Außerdem aus Gründen verspiesen das Buch Schlaf gut Baby von Herbert, dem Kinderarzt. Hahah, Herbert! Und natürlich Nora, deren Beruf mir gerade fehlt. Auch hier gibt es unzählige Tipps, aber ohne autoritäres Gehabe aus den 50zigern. Was noch zu sagen bleibt? Schlaft gut! Das Bett ruft!

Welches Baby?

„Du bist ja fast gar nicht mehr zu Hause“, „Vermisst Dich Dein Baby nicht?“ Oder auch sehr beliebt: „Wo ist Dein Baby?“

Das sind ein paar Auszüge der Aussagen, die mir in letzter Zeit begegnet sind. Die Indiskreten lasse ich mal weg. Tatsache ist, ich arbeite bereits seit Juni wieder in Teizeit in meinem alten/neuen Job und es macht mich verdammt glücklich. Während der Arbeitszeit bin ich so gut eingespannt, dass ich auch tatsächlich nicht an die Kartoffel denke. Sobald ich den Rechner runterfahren, fahre ich in Blitzgeschwindigkeit nach Hause, um ein meist fröhlich ausrastendes Baby in Empfang zu nehmen.

 Ich habe Euch das vermutlich nicht erzählt, weil ich bisher fast noch niemandem begegnet bin, der mir das Gefühl gegeben hat, dass es doch auch umgekehrt ok. sein darf – kinderlose Freund_innen ausgenommen. Vermutlich wäre ich auch dem Angebot nicht gefolgt, wenn ich und Gemüse eine famose Stillbeziehung hinbekommen hätten. Wer sitzt auch gerne barbusig im Büro? Na, auch wenn ich da Still- und Working Mums nicht vorgreifen will. Ich arbeite also wieder, der Bärtige bekabbelt, benährt und belustigt das Baby und ich genieße heute den freien Freitag mit der Kleinen auf dem Bauch. Ansonsten recherchiere ich fleißig nach Kinderbüchern und -Liedern, die nicht komplett normiert-borniert-rosa funktionieren. Wenn ihr Tipps habt, immer gerne her damit!

Spielplatz und Reinkarnation

Das Baby und ich gehen auf einen Spielplatz zum Dinge einspeicheln, auf der Babydecke rumrudern und unser erstes Babybuch zerpflügen. 

Schon nach kurzer Zeit werde ich von einer Mama mit Zweijährigem angesprochen. Weil ich ein sehr vorurteilsbelastetes Kind bin, sortiere ich sie gleich mal in eine meiner Schubladen. Sie trägt den Titel: „Wir werden keine Freundinnen“, dennoch versuche ich erstmal aufgeschlossen zu bleiben. Ich wohne in einem Viertel, indem viele Mütter verschiedene Kinderwagenmodelle haben, jede in mehreren Babykursen turnt und Verständnis für Arbeitsteilung zwischen Papas und Mamas eher mau ausfällt (aber das liegt nicht am Viertel und ist eine andere Geschichte, die ein Andermal erzählt werden soll).

  Wir starten mit Smalltalk: Wie alte die Kleine ist etc, ob wir stillen (ist das noch smalltalk oder schon unverschämt?)… Der kleine Junge, den ich auf einen Blick als die Reinkarnation eines Klassenkameradens wiedererkenne und der Zuneigung in der Grundschue in Form von Rotzpopelwürfen, Beißattacken und Aufdringlichkeit verteilte, streichelt das Baby über den Kopf. In der gleichen Sekunde schubst er sie und ich nehme mein Baby hoch. Sie hat das aber recht gelassen genommen und ich dachte dann, naja vielleicht ein Versehen. Vielleicht nicht die Reinkarnation. Er ist ja erst Zwei…blablbal. Zwei Minuten später entdeckt er, dass wenn er mein Baby anschreit, sie in Tränen ausbricht. Ich nehme sie also wieder hoch, weil sie jetzt wirklich betroffen weint und ich möchte gleich mitweinen. Die Mutter unterbricht ihre Empfehlungen, wo ich überall hingehen kann, um Anschluss zu finden und schimpft mit ihrem Sohn, zieht ihn weg und geht mit ihm auf dem Sandplatz spielen. 

Die Maus hat sich wieder beruhigt und wir amüsieren uns weiter. Nachdem wir also wieder recht vergnügt sind, kommt der Junge wieder, ohne Vorwarnung um die Ecke geschossen und schreit mein Kind an. Das weinen ist jetzt noch greller und ich spüre Ihre Angst. Während ich sie schaukle und tröste, packe ich alles zusammen (in Gedanken, mit Kind auf dem Arm geht das ja schlecht). Als sie sich also beruhigt hat, packe ich mein 7000 Sachen (Thermosflasche, Milchpulver, Babywasser, Babydecke eins und zwei, Schnuller, das zerpflückte Babynbuch, den gehäkelten Nasenbären, meine Einkäufe, Manduka, den Kinderwagen etc.) Beim Rausgehen entschuldigt sich die Mutter nochmal, der kleine Junge will sich vom Baby verabschieden, aber ich bleibe neben dem Wagen stehen, damit er nicht rankommt. Natürlich schreit er sie wieder an und sie weint und wir eilen los. 

Ich bin genervt und verunsichert. Genervt, weil das Baby den Jungen ersten euphorisch begrüßt hat (weil sie Menchen toll und spannend findet), um dann gleich mal das Vertrauen in die Menschheit zu verlieren. Naja. Verunsichert, weil ich mich frage, ob ich noch anders hätte handeln sollen – aber gut, die Mutter hatte sich entschuldigt, aber sie hat m.E.  Nicht so richtig gecheckt, dass das nicht funktionieren wird und wollte ihm immer Möglichekeiten geben mit ihr Kontakt aufzunehmen. Sie hat dann entschuldigend hinzugefügt, dass er nur größere Kinder kennt, die das gleiche mit ihm machen würden. Notiz an mich selbst: Das Kind vor falschen Freund/innen schützen, nur wie?

Und ich war auch sehr offen, weil wir erst einige Wochen zuvor bei einer Kollegin mit Zweijährigem waren, der das Baby gestreichelt hat und alle seine Spielsachen angeschleppt hat und dann auch noch geweint hat, al sie geweint hat. Es gibt solche und solche. Für Rückmeldungen immer zu haben, eure Fuxi.

Neues von der Säuglingspflege

 


Liebe Herrinnen und Herren, 

vor der Geburt habe ich folgendes gelesen, gehört, mir und vor allem uns vorgenommen:

Das Kind wird gestillt, getragen, gestoffwindelt, nur Wasser an den Po…Blabla etc. 

Geblieben ist: das Kind wird geliebt und getragen. Alles andere hat nicht funktioniert und wenn nochmal jemand sagt, stillen sei das Natürlichste der Welt, dann schreie ich ganz laut:

a) aua

b) stimmt nicht 

Und c) was heißt bitte natürlich?

Gute Nacht lieber Leser*

Nächstes Mal gestehe ich Euch, dass ich schon wieder arbeite und der Mann zu Hause säugt. 

Oder einfach mal die Klappe halten

Ich habe zwar keinen „er“, noch weiß ich, ob sie sich als „er“ oder „sie“ empfinden wird- ich schweife ab.

Ist er brav?
Das wurde ich schon gefragt, das wurden zigtausend andere Mütter und manchmal auch Väter vor mir gefragt.


Was soll man dazu sagen?
Erstens ist es nicht die Aufgabe eines Babys, brav zu sein. Ein Baby hat Bedürfnisse und abgesehen von den elementaren Bedürfnissen, Hunger, Durst, Nähe, haben Babys ein unterschiedliches Bedürfnisse-Konzept: Mehr Anregungen, weniger, mehr schmusen, lieber weniger – denn Babys sind ja auch nur kleine Menschen. Und Menschen sind Individuen, d.h. keine wie die andere.


Die Frage suggeriert, dass man irgendetwas tun könnte, damit Babys „brav“ sind, sich also erziehen lassen. Wenn sie also nicht „brav“ sind, müsse Frau/Mutter etwas komplett falsch machen. Selten sind es die Väter, die etwas falsch machen. Die Botschaft ist irreführend und sinnlos. Weder für einen weiterführenden Dialog, noch fürs Leben.

Deswegen liebe Passantinnen, denn es sind vor allem die grau-lila melierten Damen, die das gerne fragen:

– ein Baby kann man nicht erziehen, noch sollte man es versuchen
– ein Baby hat kein Ich-Konzept, es bringt sich nicht damit in Verbindung etwas „bewusst“ so oder so zu tun…
– manche Babys weinen mehr als andere, warum das so ist, hat meist nichts mit dem zutun, was das geplagte schwitzende Elternpaar oder der Singlemensch so mit oder für das Baby tut
–  auch Kinder sollten nicht zum „brav“ sein erzogen werden, sondern zum selber denken und am besten noch zu emphatischen Wesen dazu
– anstatt zu fragen, ob er, sie, es „brav“ ist/sind, könnte man den Müttern, Vätern ja auch freundlich zunicken und je nach Augenringen-Zustand etwas ermunterndes zurufen, wie, haltet durch, es wird besser, meine/r war auch so und so….oder einfach die Klappe halten!

P.S. im Übrigen ist „brav“ sein, auch dann nicht erstrebenswert, wenn das Baby zum Kleinkind avanciert und die Eltern verzweifelt zwischen den Ratschlägen von Jesper Juul und Katharina Saalfeld hin und her schwanken. Gerade – ja mit Verlaub – gerade Deutschland hat eine Vergangenheit, der es gut getan hätte, wenn nicht der Großteil „brav“ gewesen wäre.

P.p.s. und so sieht „richtiges Ausrasten“ aus.

P.p.p.s. Nächstes mal die Frage: „Und schläft sie schon durch?“

Ein Mann, ein Baby, ein Tuch,

 

Gestern einen Ausflug auf einen Hinterhof-Flohmarkt gemacht. Ergattert eine gebrauchte Manduka, in dem das Menschenkind gerade schnauft und schläft. Außerdem Sachen zum Anziehen für das Menschenkind und ein paar Anekdoten.

Anekdote 1: Der Bärtige hat das Kind im Tragetuch, was für Fotos sorgt (Warum?). Eine alte Frau zerrt am Tragetuch, um einen Blick auf das Baby zu werfen. Reaktion des Bärtigen. Perplex und wütend sorgt er dafür, dass die Hand der Frau weg von Kind und Tuch kommt.

„Mei, des tut mir leid“, sagt die Frau, „aber i koa ned anders“. Ob das ansteckend ist?

Anekdote 2: An jedem zweiten Stand, an dem ich frage, ob sie auch Oberteile in Größe 68 haben, antworten die Hobby-Verkäuferinnen mit: „Mädchen oder Junge?“, „Säugling“, sage ich. Klar dürfen Baby-Mädchen auch rosa tragen. Schöner finde ich, wenn alle Babies alles tragen dürfen und das bis ins hohe Alter. Ich ziehe mir jetzt mein Gorilla-Kostüm an.

Hallo Papa?

papa

„Viele Männer verstehen nicht, dass hinter der Aussage: „Das war ein anstrengender Tag, ich bin fix und fertig!“ der Wunsch nach Entlastung steht. Sie brauchen klare Anweisungen, was sie tun sollen und sind dann für gewöhnlich auch gern bereit, zu helfen.“

Gelesen unter „Hallo-Eltern“ de, das lässt Weitblick vermuten. Vielleicht hätten sie sich doch „Hallo Mama“ nennen sollen, den Papas trauen sie wohl nichts zu. Schön auch, dass die Verantwortung dafür gleich der Frau Maman zugeschoben wird, weil sie ja ihr Anliegen nicht artikuliert bekommt. Auch interessant, dass eingeschobene „gewöhnlich“, das verdeutlichen soll, das manche Männer auch dann nicht bereit sind, zu helfen, wenn frau Hilfe verlangt. Dieser Mann weiche zwar von der Norm ab (denn nach dem Gewohnheitsprinzip gilt, ab und zu macht der Mann auch mal was im Haushalt), dann könne frau aber auch nicht so richtig was machen. Zumindest weiß „Hallo-Eltern“ da auch nicht weiter.