Gedanken zur Fremdbetreuung

Das Baby ist eingewöhnt und wir sind alle seit zwei Wochen krank. Yeah! Heute Gedanken zum Thema Fremdbetreuung. Krippe ist ja dem allg. Befinden nach Fremdbetreuung.  Vorweg:  die Eingewöhnung hat sehr gut geklappt, vermutlich, weil sie a) der Papa übernommen hat und b) weil das Baby super gerne mit anderen Leuten zusammen ist, sehr outgoing ist und schon in den ersten Minuten die Papa-Knie verlassen hat, um die Umgebung zu erkundigen. Und weil das Berliner Modell die Bedürfnisse von Kind und – in diesem Fall – Papa in den Blick nimmt. Und dennoch hat es mich auch ein wenig gequält. War das richtig? Hat sie Spaß? (Ganz unabhängig davon, dass das Baby im Lift zur Kita vor Freude zu quietschen anfängt) Es hat einwenig gedauert, zu akzeptieren, dass es hier wohl vor allem und auch um meine eigenen Ängste geht, die sich in diesen Fragen zeigen. Fairerweise muss man auch sagen, dass wir unseren Riesenwurm – aus Mangel an Alternativen – in eine private Kita gegeben haben und der Betreuuungsschlüssel etwas höher ist.

„Hamma schon immer so gemacht“: Das Superlativ Großeltern
Doch die Krippe wird als ein Gegensatz etabliert, in der „fremde“ Menschen das „eigene“ Kind mehr schlecht als recht betreuen. Großeltern (-teile) hingegen werden als eigene und damit nahe Bezugspersonen entworfen, die von Natur her besser und liebevoller betreuen können. Und das obwohl sie – je nach Kinderrate – vielleicht eins, zwei, drei Kinder vor 20 bis 40 Jahren großgezogen haben. Und das – obwohl man ein gutes Großeltern-Verhältnis nicht voraussetzen kann. Zudem arbeiten in der Kita Pädagog/-innen, die ihren Beruf (nämlich Kinder zu „erziehen“) gelernt haben. Dennoch höre ich in meiner Umgebung das leise Flüstern, das Kind, Baby etc. ist besser bei den eigenen Großeltern aufgehoben. Erziehung sollte auf mehr als dem wackeligen Fundament „Hamma schon immer so gemacht“ stehen und hier mache ich auch keiner Oma, keinem Opa einen Vorwurf – oder sagen wir – nicht direkt- verwundert bin ich nur über Eltern, die ihre Großeltern machen lassen und nicht das Gespräch mit ihnen suchen, obwohl sie es an sich nicht gut finden (Stichwort: Kinderwagen, Füttern statt Baby led Weaning, Elternbett  oder schlimmer: der „Klaps“ auf den Hintern etc.).

 

Großeltern sind vor allem eines: Glückssache
Mit Glücksache meine ich auch, dass viele Großeltern sich nur ungern etwas sagen lassen, von „wir haben das schon immer so gemacht“ zu „aus Euch ist auch etwas geworden“ bis hin zu unabgesprochenen Handlungen ist alles drin. Wer Großeltern hat, die zuhören können und die kein Problem damit haben, etwas anders zu machen (z.b. das Kind zur tragen, anstatt es in den Kinderwagen zu legen), der hat  doppelt Glück. Denn es ist nie selbstverständlich a) lebendige und b) dazu coole Großeltern zu haben. Warum daraus so einen Hype machen? Fremdbetreuung gibt es m.E. gar nicht, schließlich werden Babies in der Kita eingewöhnt und zwar solange, bis sie sich sicher und geborgen fühlen. Eine Eingewöhnung, die man mit Oma und Opa ja auch hat oder zumindest haben sollte.

Das gefeierte Großeltern-Narrativ übersieht auch eine ganz entscheidende Tatsache, nämlich, dass Gewalt, Missbrauch und Übergriffe vor allem im familiären Nahbereich passieren.

 

 

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