Lesen macht traurig und froh

Ich wollte noch kurz loswerden, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Denn nach einer intensiven Lesepause, lese ich – Kindle sei Dank – mehr denn je. Da sich die meisten E-Reader dimmen lassen, ist nämlich das abendliche Lesen wieder drin und lesen lässt es sich auch prima mit dem Baby auf dem Arm. Los geht’s:

Das achte Leben, von Nino Haratischwili

Erzählt das Leben von sieben Frauen und Generationen aus Georgien, starker Persönlichkeiten, deren Leben von politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen (Aufbau und Zerfall der Sowjetunion) durchzogen ist. Ich hätte nicht gedacht, dass ich 1280 Seiten einfach mal so runterlese. Prädikat: Nur mit Taschentüchern und teilweise vor-blättern (Folterszenen) aushaltbar, aber dennoch ein wunderbares Buch. Nur der Schluss hat mich nicht mehr so gerissen.

Americanah, von Chimamanda Ngozi Adichie

kannte ich von diesem TED-Video: ‚the danger of a single story‘, in der sie aufzeigt, wie Stereotype und Rassismen auch durch Geschichten und Bilder reproduziert werden, sehr gut erzählt, unbedingt anschauen, went ihr das noch nicht gesehen habt.

Die Autorin hat mehrere Romane über Nigeria veröffentlicht, u.a. Americanah. Americanah ist der Name für eine Frau, die aus Nigeria nach Amerika geht und wieder zurückkommt. Super Einstieg, wer langsam in die Geschichte Nigerias eintauchen mag, oder wie es die Kollegin sagte, die mir das Buch als Reiselektüre empfahl: da muss man am wenigsten weinen…

Die Hälfte der Sonne, s.o.

Deswegen habe ich auch gleich damit weitergemacht. Hier erzählt sie die Geschichte von Biafra. Biafra war der Versuch der Igbo sich von Nigeria unabhängig zu machen, nachdem es zu massiven und makabren Massakern an der Bevölkerung kam. Die Geschichte einen eigenen Staat zu gründen geht schief, Biafra wird nur von vier afrikanischen Staaten und Haiti anerkannt. Das Buch ist heftig, umso mehr, dass es eben keine Fantasielektüre ist, weil der Krieg von 1967 bis 1970 stattgefunden hat. Vermutlich wird Biafra am meisten mit einer Hungersnot, bzw. Kindern, die deswegen an Kwashiorkor (Achtung Link führt zur Erklärung und auch Bilder, nix für allzu Labile) erkrankt sind, verbunden. Lesenswert, supertraurig und leider spannend. Gut gegen Eurozentrismus im Anfangsstadium.

Warum französische Kinder keine Nervensägen sind, Pamela Druckerman

Natürlich lese ich auch Schrott, et voila! Wo kämen wir denn sonst hin? Kurz und gut, eine Amerikanerin schreibt über Pariser Familien und Kindererziehung, münzt das aber auf ganz Frankreich und quer durch alle Klassen und Schichten. Prädikat: spart es euch! Dass Kinder Grenzen brauchen kann man besser bei Jesper Jul nachlesen, der schlingert auch nicht so rum. Das französische Eltern so wahnsinnig freiheitsliebend und mutig sind und ihre Kinder unbeaufsichtigt auf die Straßen rennen lassen (was sie selbstverständlich nicht tun), scheint mir völlig überzogen und einfach mal die Tür nachts zu machen und das Kind alleine lassen, hach, darüber brauchen wir gar nicht reden…

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