Spielplatz und Reinkarnation

Das Baby und ich gehen auf einen Spielplatz zum Dinge einspeicheln, auf der Babydecke rumrudern und unser erstes Babybuch zerpflügen. 

Schon nach kurzer Zeit werde ich von einer Mama mit Zweijährigem angesprochen. Weil ich ein sehr vorurteilsbelastetes Kind bin, sortiere ich sie gleich mal in eine meiner Schubladen. Sie trägt den Titel: „Wir werden keine Freundinnen“, dennoch versuche ich erstmal aufgeschlossen zu bleiben. Ich wohne in einem Viertel, indem viele Mütter verschiedene Kinderwagenmodelle haben, jede in mehreren Babykursen turnt und Verständnis für Arbeitsteilung zwischen Papas und Mamas eher mau ausfällt (aber das liegt nicht am Viertel und ist eine andere Geschichte, die ein Andermal erzählt werden soll).

  Wir starten mit Smalltalk: Wie alte die Kleine ist etc, ob wir stillen (ist das noch smalltalk oder schon unverschämt?)… Der kleine Junge, den ich auf einen Blick als die Reinkarnation eines Klassenkameradens wiedererkenne und der Zuneigung in der Grundschue in Form von Rotzpopelwürfen, Beißattacken und Aufdringlichkeit verteilte, streichelt das Baby über den Kopf. In der gleichen Sekunde schubst er sie und ich nehme mein Baby hoch. Sie hat das aber recht gelassen genommen und ich dachte dann, naja vielleicht ein Versehen. Vielleicht nicht die Reinkarnation. Er ist ja erst Zwei…blablbal. Zwei Minuten später entdeckt er, dass wenn er mein Baby anschreit, sie in Tränen ausbricht. Ich nehme sie also wieder hoch, weil sie jetzt wirklich betroffen weint und ich möchte gleich mitweinen. Die Mutter unterbricht ihre Empfehlungen, wo ich überall hingehen kann, um Anschluss zu finden und schimpft mit ihrem Sohn, zieht ihn weg und geht mit ihm auf dem Sandplatz spielen. 

Die Maus hat sich wieder beruhigt und wir amüsieren uns weiter. Nachdem wir also wieder recht vergnügt sind, kommt der Junge wieder, ohne Vorwarnung um die Ecke geschossen und schreit mein Kind an. Das weinen ist jetzt noch greller und ich spüre Ihre Angst. Während ich sie schaukle und tröste, packe ich alles zusammen (in Gedanken, mit Kind auf dem Arm geht das ja schlecht). Als sie sich also beruhigt hat, packe ich mein 7000 Sachen (Thermosflasche, Milchpulver, Babywasser, Babydecke eins und zwei, Schnuller, das zerpflückte Babynbuch, den gehäkelten Nasenbären, meine Einkäufe, Manduka, den Kinderwagen etc.) Beim Rausgehen entschuldigt sich die Mutter nochmal, der kleine Junge will sich vom Baby verabschieden, aber ich bleibe neben dem Wagen stehen, damit er nicht rankommt. Natürlich schreit er sie wieder an und sie weint und wir eilen los. 

Ich bin genervt und verunsichert. Genervt, weil das Baby den Jungen ersten euphorisch begrüßt hat (weil sie Menchen toll und spannend findet), um dann gleich mal das Vertrauen in die Menschheit zu verlieren. Naja. Verunsichert, weil ich mich frage, ob ich noch anders hätte handeln sollen – aber gut, die Mutter hatte sich entschuldigt, aber sie hat m.E.  Nicht so richtig gecheckt, dass das nicht funktionieren wird und wollte ihm immer Möglichekeiten geben mit ihr Kontakt aufzunehmen. Sie hat dann entschuldigend hinzugefügt, dass er nur größere Kinder kennt, die das gleiche mit ihm machen würden. Notiz an mich selbst: Das Kind vor falschen Freund/innen schützen, nur wie?

Und ich war auch sehr offen, weil wir erst einige Wochen zuvor bei einer Kollegin mit Zweijährigem waren, der das Baby gestreichelt hat und alle seine Spielsachen angeschleppt hat und dann auch noch geweint hat, al sie geweint hat. Es gibt solche und solche. Für Rückmeldungen immer zu haben, eure Fuxi.

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